Offelle: Kekse aus der Lombardei

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Die Offelle sind eine Keks-Spezialität aus Parona, einer Kleinstadt in der Lombardei. Ihr Name verweis auf ein lateinisches Wort, offa, so etwas wie Fladenbrot, aber mit Fladenbroten haben sie gar nichts zu tun: Sie bestehen aus einem zarten Mürbeteig, der Olivenöl enthält.

„Erfunden“ sind sie am Ende des 19. Jhd. Damals gehörten die offelle  zum Repertoire der Landfrauenküche und wurden hauptsächlich am ersten Oktobersonntag zum Feier der Madonna del Rosario zubereitet. Zwei Schwestern, Pasqualina und Linín Colli, machten sich als Bäckerinnen für ihre hervorragenden Kekse einen Namen. 1969 kam die große Wende, denn es wurde ein Fest der offella initiiert – eine Tradition, die sich bis heute fortsetzt. Jedoch, wenn es zum Rezept kommt, wird man verrückt… denn das Wahre und Einzige, ebenso wie bei der Sachertorte und den madeleines, geheim gehalten wird und sogar von einem dafür zuständigen Konsortium vor indiskreten Augen geschützt. Was auch nicht verhindert, dass man versucht, sich durch gute Nachahmungen mindestens daran anzunähern.

Da es bei uns so gut wie keine Möglichkeit gibt, die offelle in ihrer Originalversion zu finden, empfehle ich dieses Rezept, zu dem ich durch einige Vergleiche gekommen bin. Anlass dafür war, dass ich ganz zufällig das richtige Förmchen zum Ausstechen gefunden hatte, und zwar hier in einem Potsdamer Supermarkt! Na, für einmal, dass ich alles auch ‚ästhetisch korrekt‘  zu machen vermochte, musste ich unbedingt zugreifen… Die Zubereitung ist allzu einfach, es sei denn, man muss sich Gedanken um das Öl machen. Zu verwenden ist ein mildes Olivenöl von Spitzenqualität, kein „fruchtiges“ und auch kein mittelmäßig-billiges, sonst werdet ihr mit dem Ergebnis nicht glücklich sein: Das Risiko, Kekse mit Salatgeschmack aus dem Ofen zu bringen, existiert und ich habe es nicht nur einmal persönlich erlebt…

Zutaten für ca. 18-20 Kekse.

  • Mehl #405, 250 g.
  • Speisestärke, 50 g.
  • Feinster Zucker, 150 g.
  • Zitronenschale, geraspelt
  • Ei, 1
  • Butter, 150 g.
  • Olivenöl, 1 EL

Mehl mit Butter, Öl, Zitronenschale und einer Prise Salz zu einer sehr feinen bröseligen Mischung verarbeiten. Zucker und Ei hinzugeben und alles rasch zusammen mischen, bis ein homogener Mürbeteig entsteht, den wir in Klarsichtfolie einwickeln und mindestens 30 Min. bei Raumtemperatur ruhen lassen werden.

Den Teig auf ca. 4 mm. aufrollen und die Kekse (mit oder ohne ovales Förmchen…) ausstechen. Bei 170º ca. 10-12 Min. backen, aber hierbei darauf achten, dass sie nicht dunkel werden müssen.

Feine Apfeltarte nach Olivier Bajard

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Dass im Bereich Blätterteig nichts besser als der hausgemachte schmeckt, ist eine Wahrheit, die keine Faulheit und kein Zögern vor der langen Zubereitung duldet. Ein Duft-Knusper-Geschmackerlebnis, das am Ende des Vorgangs alle Mühe belohnen wird. Ich hatte bisher nur einen einzigen Grund zum Zweifeln, und zwar, in der Regel wird Blätterteig vorzüglich in größeren Mengen zubereitet, ansonsten lässt er sich schwer verarbeiten: aber neulich hat mir der französische Olivier Bajard, Meilleur Ouvrier de France de Pâtisserie, eine Welt eröffnet. In seinem Buch  Les Ateliers sucrés d’Olivier versteckt sich nämlich ein Rezept, das ich vor kurzem entdeckt habe. Von den mir bekannten ist es bei weitem das einfachste und weist hinzu den enormen Vorteil auf, dass es auch bei kleinen Zutatenmengen mühelos gelingt.

Wer vor Butter und Nudelholz Angst bekommt, kann also Ruhe finden und sich auf die vielerlei Anwendungsmöglichkeiten schon freuen. Darunter diese tarte aux pommes – keine einfache Apfeltarte, sondern ganz viele Äpfel auf Kum-Quat-Karamell, alles auf einem Blätterteigboden und verfeinert mit knusprigen Mandelblättchenkrokant. Sagt was? Dann los, an die Arbeit.

Die in drei Phasen geteilte Arbeit ist ja ein kleines Bisschen zeitaufwendig, aber dafür ist die Tarte so lecker und herrlich duftend, so… elegant (auch das schadet nicht), dass es gilt: Widerstand zwecklos. Dazu fehlt es auch nicht an Möglichkeiten zur geschickten Planung der Operationen. Zum Beispiel lohnt es sich, den Blätterteig im Voraus vorzubereiten, denn er lässt sich super im Kühlschrank aufbewahren oder einfrieren. Auch der Karamell kann im Voraus zubereitet werden; sollte er eher zu dick werden, werden ein Paar Sekunden in der Mikrowelle alles wieder in Ordnungbringen.

Die Menge ergeben eine 20 cm.-Tarte.

Phase 1: Blätterteig (ergibt 250 g.)

  • Mehl 405, 50g 
  • Mehl 550, 50g 
  • Essig, 3g 
  • Salz, 1 g 
  • Wasser, 50g 
  • Butter, weich 25g 
  • Butter, kalt 75 g

Kleine Bemerkung zum Thema Butter: die sollte so fettreich wie möglich. Die Originalversion erfordert eigentlich die spezielle, feuchtigkeitsarme Butter, bekannt als beurre de tourage, die leider vor allem Profis zur Verfügung stellt. Ich bin völlig zufrieden mit gängiger Butter zweier bekannten holländischen bzw. irischen Marken und kann sie nur empfehlen; zu vermeiden ist nur die als streichzart bezeichnete Butter, die zu viel Feuchtigkeit enthaltet.

Die Zubereitung des Basisteiges ist recht einfach. Die zwei Mehlsorten vermischen und erst die weiche Butter in Würfeln, dann Wasser und Essig zugeben. Die Mischung rasch verarbeiten, jedenfalls nur so lange, bis sich eine Kugel formt. In Klarsichtfolie einwickeln und mindestens 20 min. kalt stellen; sicherheitshalber warte ich eine Stunde, bei warmem Wetter auch zwei, oder bereite den Grundteig schon am Vorabend vor.

Nach der Ruhe wird der Teigkugel auf einer ganz leicht bemehlter Oberfläche zu einem Rechteck von 30×15 cm. ausgerollt. Das Bestäuben mit Mehl dient lediglich dazu, dass das Nudelholz nicht klebt, muss aber wirklich leicht sein, sonst wird der Teig zu trocken. Die kalte Butter aus dem Kühlschrank nehmen und eine rechteckige Portion à 75 g. abschneiden (es gelingt relativ einfacher, wenn man das Butterpaket waagerecht durchschneidet). Den Stück nun zwischen zwei Klarsichtfolien zu einem Rechteck 20×15 cm. mit dem Nudelholz drücken (nicht ausrollen!). Sollte die Butter zu warm werden, dann ab in den Kühlschrank… und noch 20 Min. Geduld.

Die Butterscheibe auf den ausgerollten Teig, gerade am untersten Rand legen: Sie muss die 2/3 des Teiges bedecken wobei ungefähr 10 cm.  noch frei bleiben werden. Diesen noch unbelegten Teil nun auf die Butter falten und mit dem verbleibenden Drittel (samt Butter) bedecken. Damit haben wir eine sogenannte einfache Tour vollzogen. Den Teigling aufheben und um 90º drehen: Die Falte soll nun links sein und rechts die offene Seite. Die Arbeitsoberfläche nochmals mit wenig Mehl bestäuben.  Mit dem Nudelholz ausgehend von der Mitte, dann nach oben und nach unten nochmal auf den Teig drücken: Wieder einmal stehen wir vor einem Rechteck. Diesmal das unterste Drittel in Richtung der Mitte falten und das verbliebene Drittel darauf: Es ist so weit, der Teig hat eine zweite einfache Tour bekommen. Einwickeln und nochmals mindestens 20 Min. kalt stellen.

Nach dieser Zeit wird das Faltenvorgang noch zweimal wiederholt. Die Touren sind jetzt vier. Zu diesem Zeitpunkt kann der Teig zur späteren Anwendung eingefroren werden, denn die letzten zwei Touren werden direkt vor dem Backen gegeben. Braucht man dagegen den Teig sofort, dann lässt man ihn noch 20 Min. im Kühlschrank und gibt da  die letzten Falten, nach dem gleichen Vorgang. Nach einer letzten Kühlung kann der Blätterteig endgültig zur weiteren Verwendung ausgerollt werden. Zu diesem Zweck ist es sehr wichtig, dass die Dicke beim Ausrollen gleichmäßig bei ca. 3 mm. gehalten wird. Damit es gelingt, immer erst von der Mitte anfangen, dann in allen Richtungen, nach vorne und hinten, nach rechts und links arbeiten, in dem man den Teig aufhebt und dreht (bei Bedarf leicht bestäuben).

Eine Tartenform 20 cm. belegen, mit Folie bedecken und bis auf weiteres nochmal kalt aufbewahren. Hurra, Ziel erreicht!

Phase 2: Kum-Quat-Karamell (zum Vorbereiten während der letzten Ruhephase des Blätterteiges) 

  • Brauner Zucker, oder Kandisfarin, 15 g.
  • Zucker (normal), 40 g.
  • Glukosesyrup, 40 g. (alternativ: zusätzliche 40 g. Zucker)
  • Salz, 1 g.
  • Mark einer halben Vanilleschote (am besten der Tahiti-Sorte)
  • Butter, 40 g.
  • Sahne, 40 g.
  • Kum-Quats, 40 g. (es sind 3-4 Früchte)

Zuerst wird die Sahne mit den in Scheiben aufgeschnittenen Kum-Quats erhitzt und beiseite stehen lassen, damit sich das Aroma der Zitrusfrüchte voll entfalten kann. Dann werden in einem Topf beide Zuckersorten mit Glukoseyrup, Salz und Vanille geschmolzen. Ein Thermometer ist hierbei ideal, um genau die 183° zu erreichen; jedoch kann man sich auch an der Farbe der Soße orientieren, die jedenfalls goldbraun sein wird. Zu diesem Punkt geben wir erst die noch heiße Sahne (die Zum-Quats rausnehmen und aufbewahren), dann die kalte Butter in die Zuckermischung. Der Karamell kann nun kurz fest werden, vor allem, wenn man keinen Glukosesyrup verwendet hat, wird aber nach kurzem Erwärmen auf schwacher Hitze wieder flüssig. Nun können die Kum-Quats-Stückchen wieder mit dem Karamell vermischt werden – es steht zur Wahl. Auf Raumtemperatur bringen.

Phase 3: Die kristallisierten Mandelblättchen

  • Gehobelte Mandel, 60 g.
  • Zucker, 25 g.
  • Wasser, 10 g.
  • Orangenblütenwasser, 10g.

Den Backofen auf 150° (Umluft) bringen. In einem Topf Zucker und Wasser zum Kochen bringen. Bei den ersten Bläschen vom Herd nehmen und das Orangenblütenwasser hinzugeben. Den Sirup auf die Mandelblättchen gießen, gut vermischen und alles auf Backpapier streuen. 25 Min. backen, bis die Mandel leichtbraun werden.

Phase 4: Endspur!!!

Den Backofen diesmal auf 180° erhitzen. Den Blätterteigboden aus dem Kühlschrank nehmen, mit Alufolie und Backgewichten belegen und ca. 25 Min. vorbacken. Der Boden muss gar sein, aber noch nicht braun. (fertig ist er, als die Alufolie sich ohne besondere Schwierigkeit aufheben lässt).

  • 3 Pink-Lady Äpfel in ganz dünne, möglichst gleichmäßige Scheiben schneiden.

Auf den Blätterteigboden den Karamell streichen. Darauf die Äpfelscheiben harmonisch legen. Man muss sie aufeinander legen und insgesamt 3 Kreise bilden. Mit flüßiger Butter leicht bepinseln und 20 bis 30 Min. backen. Mit den kristallisierten Mandelblättchen und Puderzucker schön dekorieren.

Zu beachten ist, dass die Apfeltarte am bestens frisch schmeckt, sonst verliert sie wie jedes Backproduckt auf Basis von Blätterteig schnell an Knusprigkeit, obwohl der Geschmack an und für sich nicht in Mitleidenschaft gezogen wird… Und: ein Kugel Vanilleeis, pourquoi pas?

Kleine Matcha-Küchlein

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Das Rezept dieser Küchlein ist (grundlegend) ein geklautes- aufwendig gelernt und niedergeschrieben.

In dem Sinne, dass ich mich in einem Berliner Buchladen befand, wobei irgendein Kochbuch zum Thema Matcha – den Titel weiss ich nicht mehr – meine Aufmerksamkeit erregt hatte – ja, der japanische grüner Tee, dessen Preis jedoch riskiert, einen statt zum friedlichen Zen-Gefühl zum genauen Gegenteil zu verhelfen. Das teure Getränk schein ganz in Mode zu sein und ich hatte das Pulver eigentlich aus einem andern Grund gekauft: ich finde zwar das Matcha Latte köstlich, aber es kommt irgendwie immer lauwarm.

Und ich hasse lauwarme Kaffee- und Teegetränke mit ganzem herzen. Ein Cappuccino, und im Allgemeine alle seine Verwandten, müssen entweder heiß sein oder überhaupt nicht sein, vor allem in Berlin und vor allem im Winter. Mit dem normalen Cappuccino ist mir gelungen, meine Sicht zur Frage zumindest in meinen Lieblings-Coffee Shops klar zu machen, aber mit dem Matcha Latte scheint es unmöglich zu sein. Wahrscheinlich deshalb, weil es in einem Mixer zubereitet wird und dies beeinflußt die Endtemperatur der Milch, egal, wie heiß sie am Anfang ist. Deshalb hatte ich gedacht, ich kaufe das Teepulver und mache Matcha Latte Marke Eigenbau.

So habe ich entdeckt, wie lecker der Matcha als Backzutat sein kann, was auch an dem Tag mein Interesse für das Kochbuch im Buchladen bedingter. Seitdem habe ich u.a. auch diese Mini-Muffin mit großer Zufriedenheit zubereitet: Und ich sage, dass das Rezept „grundlegend“ ein geklautes ist, weil das Rezept des Buches mir nicht gefallen hat. Ich wollte zartere Küchlein und habe deshalb viele Versuche unternommen, bis ich mein erwünschtes Ergebnis erreicht habe.

Pass auf, sie sind grün, obwohl es im Foto nicht so deutlich ist!

  • Gemahlene Mandeln, 30 g.
  • Mehl 405, 25 g.
  • Weiche Butter, 70 g.
  • Zucker, 70 g.
  • Matcha-Teepulver, 3 TL
  • Backpulver, 1/2 EL
  • Honig, 1 TL
  • Ei, 1 
Die gemahlenen Mandel mit Mehl und Backpulver vermischen. Butter und Zucker schlagen. Ei, die Mehlmischung und den Honig unter die Buttermasse heben rmit dem Matcha-Pulver abschließen.
Mit je 1 TL Teig ca. 20 Förmchen füllen und in einer Mini-Muffin-Form bei 180º ca. 15 Min. backen.

Schoko-Haselnuss-Bällchen

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Aus einer Reise nach Kopenhagen habe ich vor einigen Jahre eine Gusseisen-Krapfenpfanne mitgebracht, die dort zur Herstellung der sogenannten Aebleskiver verwendet wird. Darüber werden wir jedoch ein anderes Mal sprechen, nicht zuletzt, weil jedes Mal, wenn ich die dänischen Pfannkuchen vorbereite, kommt etwas dazwischen und verhindert, dass ich über ein anständiges Foto für den Blog verfüge (ich vergesse es, oder die Aebleskiver werden zu rasch aufgegessen, das Foto erweist sich als nicht gelungen, usw.). Was uns heute interessiert ist, dass die Pfanne sich auch zur Herstellung anderer Gebäcksorten eignet. Ein Beispiel dafür sind diese Küchlein, die mit ihren dänischen Verwandten gar nichts zu tun haben. Statt mit Pfannkuchenteig arbeiten wir hier mit einem Schoko-Nuss-Rührteig. Bei richtiger Backzeit erhalten wir sogar ein cremiges Herz, dessen Geschmack einem berühmten Brotaufstrich nahe kommt.

Alternativ zu der Aebleskiver-Pfanne bietet sich eine Backform für cake pops an – oder auch das entsprechende Elektrogerät (ein dieser Haushaltsgeräte, die man sich häufig vor lauter Shopping-Begeisterung kauft, um sie dann einmal im Jahr zu verwenden…oder?).

Für 18 Stücke:
  • Mehl 00, 120 g.
  • Kakaopulver, (dunkel, nach holländischer Art) 30 g.
  • Geschmolzene Butter, lauwarm 50 g.
  • Zucker, 75 g.
  • Milch, 50 g.
  • Leicht geröstete Haselnüsse, 40 g.
  • Ei, 1 L
  • Backpulver, 5 g.
  • Prise Salz
  • Vanille
Die Haselnüsse sind unbedingt zu rösten. Sonst wird der Geschmack nicht so, wie er sein muss. Einmal habe ich versucht, diesen Schritt einfach aus Faulheit zu überspringen, und von der Enttäuschung im Nachhinein erzähle ich lieber nicht. Die gerösteten Nüssen sind dann sehr fein mit 1 EL Mehl zu mahlen (dies verhindert, dass sie Öl auslassen). Mehl, Backpulver und Kakao sieben und mit den gemahlenen Haselnüssen mischen.
Ei und Zucker mit Salz und Vanille schaumig schlagen. Die flüssige Butter unterrühren, dann die Mehlmischung nach und nach dazugeben, ohne zu viel zu rühren (mit den Bällchen wollen wir sicher nicht Ping-Pong spielen, oder?)
Die æbleskiver-Pfanne erhitzen und jede Mulde mit geschmolzener Butter bestreichen. Dies ist unentbehrlich, damit die ersten Küchlein nicht anbrennen! Die Temperatur mit einer kleinen Portion Teig testen, die langsam aufgehen muss.
Ein Paar Teelöffel Teig in jede Mulde geben und warten, bis er sich mit Hilfe von langen Stäbchen drehen lässt und sich von der Pfanne leicht auslöst. Die untere Hälfte backen (die Backzeit muss in dieser zweiten Phase nicht übertrieben werden, wenn wir das cremige Herz behalten wollen). Dann die Bällchen aus der Pfanne vorsichtig heben und auf einem Rost auskühlen lassen. Vor dem Servieren mit Puderzucker bestauben.
Diese Küchlein lassen sich luftdicht 3 Tage lang aufbewahren, wenn ihr euch nicht von mir und von meinem Mann (bei dem im Rahmen eines einzigen Abend kein Krümel übrig bleibt)  inspirieren lassen.

Gâteau invisible mit Äpfeln und Birnen

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Der gâteau invisible aux pommes et poires wiederspricht der bekannten Regel, Vertrauen sei gut und Kontrolle besser. Denn es ist schon sehr lange her, dass dieses Rezept in Frankreich zu einem Trend geworden ist – nur ich hatte mich ganz beharrlich geweigert, es zu probieren. Klar, die „Erfinderin“ des Kuchen – Eryn, die leider inzwischen nicht mehr als Food-Bloggerin tätig ist – schien gut zu wissen, worüber sie redete; trotzdem bei Rezepten, die zur allgemeinen Manie werden, regt sich in mir sofort der Verdacht. Einerseits bin ich (sei es dahingestellt, ob leider oder zum Glück) eher eine Einzelgängerin, andererseits ist es mir schon mehrmals passiert, auf eigene Kosten zu entdecken, was sich hinter einigen besonders erfolgreichen Mode-Rezepten (auch von Star-Köchen) versteckte!
Deshalb verdanke ich nur dem Zufall, dass ich diesen Kuchen endlich entdeckt habe. Ich hatte Lust auf einen Apfelkuchen, aber besonders cremig sollte er sein. Da hatte ich den gâteau invisible von Eryn im Hinterkopf – und langsam setzte sich die Idee durch, er wäre eines Versuchs wert.
Gut: der Einsame Wolf in mir hatte diesmal Unrecht. Es hätte sich gelohnt, nur ein einziges Mal der Internet-Herde zu folgen und den gâteau invisible schon früher zu backen.  Das Obst harmoniert perfekt mit dem Teig und ergibt einen leckeren, leichten Kuchen, der sehr zart und fein im Geschmack ist und sich hervorragend als Nachtisch eignet. Insgesamt alles Klasse, außer eines einzigen Problem. Es besteht eine grundlegende Unverträglichkeit zwischen dem gâteau invisible und jeglicher Situation des beruflichen Stress, die dazu beiträgt, dass ich das Exemplar im Foto nicht einfach vergessen werde. Die Äpfel und Birnen müssen nämlich fein geschnitten werden…
sehr fein. Dazu braucht man eine scharfe Mandoline. Sehr scharf.
Und scharfe Messer, Mandoline &Co. sind nicht so leichtherzig zu handhaben, wenn man erschöpft ist und mit den Gedanken an die eine oder die andere  Unannehmlichkeit des akademischen Lebens. Ich habe mich verletzt und habe zwei Wochen lang ein Pflaster tragen müssen …
So: Achtung, und passt gut auf die Finger auf!
Technisch betrachtet gehört in diesen Kuchen eine sehr geringe Menge an Mehl. Das Obst wird in einem flüssigen, mit Vanille und Calvados aromatisierten Teig , etwa in der Art der Crêpes gebacken. Statt Äpfel und Birnen kann man auch ausschließlich Äpfel verwenden; geschmacklich verändert sich was, wobei das Ergebnis nach wie vor herrlich ist.
 Das Rezept gilt für eine 20 cm.-Backform: keine größere, sonst wirkt der zu dünner Kuchen eher enttäuschend; und auch keine Springform, denn bei einem so flüssigem Teig würde die Hälfte des künftigen Kuchens schon bald auslaufen.
Last but not least: wird der Kuchen am Vortag vorbereitet, so entwickeln sich alle Geschmacksnoten am besten!
  • Äpfel (Golden Delicious), 3 mittelgroß
  • Birnen (Abate), 3 mittelgroß. Andere geschmacksstarke Birnen machen auch den Job.
  • Mehl #405, 70 g.
  • Zucker, 50 g.
  • Butter, geschmolzen und lauwarm, 20 g.
  • Volle Milch, 100 ml.
  • Eier, ganz, 2
  • Backpulver, 10 g.
  • Vanillemark, 1 TL
  • Calvados, 2 EL
  • Prise Salz
Zunächst die Äpfel und Birnen schälen und sehr fein schneiden – eventuell mit der Mandoline auf eigene Gefahr…  Dann ausatmen, sich selbst zur überstandenen Operation gratulieren und das Obst mit Zitronensaft bestreuen.
Den Ofen auf 200º erhitzen und die besagte 20 cm.- Backform mit wenig Butter ausstreichen und mit Mehl ausstreuen.
Mehl, Backpulver und Salz zusammen sieben. Eier, Vanille und Zucker schaumig schlagen. Die flüssige Butter, die Milch, den Calvados und schließlich das Mehl in der Eiermasse einrühren, ohne aufhören zu schlagen.
Die geschnittenen Äpfel und Birnen mit dem Teig sorgfältig vermischen, damit die Einzelstücke völlig umhüllt sind. Wer besonders präzis ist, kann wohl die Früchte trennen und in zwei Schalen teilen, um dann in der Backform zwei Schichten aufeinander zu legen.  Eine dem Zufall überlassene Mischung aus beiden Fruchtsorten gefällt mir jedoch besser.
Die Mischung in die Backform geben und 35 Min. lang backen. Gut auskühlen lassen (mindestens 2 Stunden) und unmittelbar vor dem Servieren mit reichlich Puderzucker bestäuben.

Ei, Ei, Ei… Ungeheuer mürbe Osterkekse

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Der Osterhase hat uns schon besucht und gut beschenkt: nun habe ich eine leckere Lösung, um die reiche Beute eurer Eierjagd zu gebrauchen. Wer mit einer gewissen Geduld an das Thema Krümel rangeht, wird mit diesen zarten Vanille-Plätzchen sein Glück gefunden haben.  Das geheime Zutat: gekochtes Eigelb!

Für ungefähr 40 Kekse:

  • 8 gekochte Eigelbe (danke lieber Osterhase)
  • Butter, unbedingt Raumtemperatur, 250 g.
  • Puderzucker, 130 g.
  • Kartoffelmehl, 130 g.
  • Mehl #405, 280 g.
  • Vanillemark (idealerweise Tahiti), 1 gute Prise
  • Tonkabohne, geraspelt, 1 Msp.
  • Erdbeer- oder Himbeermarmelade
Die Einfachheit der Zubereitung ist direkt proportional zu der Mürbe des Endprodukts!
Erstens: Eigelbe durch ein Sieb pürieren.
Zweitens: Butter, Zucker, Aromen schaumig schlagen, dann Eigelbe untermischen.
Drittens: die gesiebte Mischung aus Mehl und Kartoffelmehl hinzugeben und rasch zu einem Teig verarbeiten.
Das ist alles! Nun wird der Teig in Klarsichtfolie eingewickelt und mindestens 2 Stunden (oder auch über Nacht) kalt gestellt.
Walnussgroße Kugel formen, leicht drücken und mit dem Daumen eine kleine Mulde in der Mitte jedes Plätzchens hineindrücken. Bei den 170º ca. 12 Min. backen – sie sollten hell bleiben. Nach 10 Minuten die Mulden mit je 1 TL Marmelade füllen, dann Fertigbacken und noch 5 Min. im ausgeschalteten, geöffneten Ofen stehen lassen. Dies wird vermeiden, dass die Marmelade dem Teig zu viel Feuchtigkeit gibt, ohne jedoch diese verbrennen zu lassen. Die Haltbarkeit der Kekse wird somit ohne Nebeneffekte verbessert.

Sonnenstrahlen: Hafer-Sesam-Kekse aus Rom

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Ich weiss es: sollte man nach den ungeschriebenen Gesetzen der virtuellen Sozialität beurteilen, dann würde ich das Wort „asozial“ im Wörterbuch nachschlagen und als Definition dafür mein eigenes Foto finden. Denn ich bin seit einer Ewigkeit weg, was zur Folge hat, dass eine lange Reihe von Rezepten sich angehäuft hat. Na, es wird einfach zu einem Problem, wenn man, um etwas auf den Teller zu bekommen (und hier geht es nicht um Kuchen…) auch reale Berufe im realen Leben ausüben muss und dieses sich in reale Konsequenzen auf der Ebene der verfügbaren Zeit sowie der allzu realen Erschöpfung niederschlägt!

Zu den auf ihren Moment brav wartenden Rezepten gehören Kekse, die ich anlässlich einiger Reisen entdeckt  und wie immer reproduziert hatte. Diese hier stammen aus Rom und sind der Handwerkbäckerei Il mondo di Laura zu verdanken. Sie sind zum Frühstück besonders lecker!

Das Rezept ergibt 15 biz 18 Kekse je nach Dimension.

  • Mehl 405 170 g.
  • Butter, Raumtemperatur 90 g.
  • Rohrohrzucker, braun (Typ Syramena oder Mascobado), 90 g.
  • Haferflocken, groß 50 g.
  • Sultaninen 40 g.
  • Ei 1 L
  • Honig 1 TL
  • Backpulver 5 g. 
  • Gemahlene Vanille, 1/2 TL
  • Prise Salz
  • Geröstetes Sesam 20 g
(Zum Thema Sesam: einmal habe ich diese Kekse auch ohne probiert, da es alle war; das Endergebnis hat sich trotzdem als sehr lecker erwiesen).
Die Zubereitung ist die einfachste der Welt.Die Butter zunächst mit Zucker, Salz und Vanille, dann mit Ei und Honig aufschlagen. Die trockenen Zutaten und die damit vermischten Rosinen am Ende dazugeben. Vom Teig walnussgroße Portionen abschneiden, im Sesamöl wälzen und zu Tälern drücken. Perfektionisten, die über unermüdliche Geduld verfügen, können den Teig mind. 1 Stunde kühl stellen, ca. 8 mm. hoch ausrollen und einwandfrei runde Kekse anständig ausstechen. Meinetwegen schliesse ich mich dem Lob der Unvollkommenheit an.
Bei den  180º 18-20 Min. lang backen. Die Kekse müssen schön braun sein, aber Vorsicht, da der braune Zucker irreführen kann. Sie lassen sich luftdicht sehr lang aufbewahren.